ERASMUS+: EU-Förderung für den Bildungsbereich

Erasmus+ ist das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Das Programm soll die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Jugendarbeit voranbringen; die Kompetenzen des Bildungspersonals sowie die Beschäftigungsfähigkeit verbessern. Dazu steht ein Budget von 14,7 Mrd. Euro zur Verfügung. Das ist gegenüber den Vorgängerprogrammen ein Zuwachs von 40%.

Mobilität und Bildungspartnerschaften als Schlüsselaktionen

Zur Erreichen der Ziele von Erasmus+ sieht das Programm drei Leitaktionstypen vor:

  1. Lernmobilität von Einzelpersonen: Zwei Drittel des Budgets sind für die Mobilität von Einzelpersonen vorgesehen, und zwar sowohl innerhalb der EU als auch darüber hinaus
  2. Zusammenarbeit zur Förderung von Innovation und bewährten Verfahren: mit der Unterstützung von strategischen Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen (Schulen, Hochschulen, Ausbildungsstätten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung), Jugendorganisationen, Unternehmen, lokalen und regionalen Behörden und Nichtregierungsorganisationen
  3. Unterstützung politischer Reformen: zur Modernisierung der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Es ist somit eine sektor- und bildungsbereichsübergreifende Zusammenarbeit möglich.

Die Förderung erfolgt als 100%-Finanzierung.

Für alle Maßnahmen erfolgt die Finanzierung durch sog. Stückkosten. Stückkosten sind feste Beträge/Fördersätze, die für eine nachgewiesene Aktivität erstattet werden.

Weitere Informationen:
www.erasmusplus.de

Auf den Bereich Bildung entfallen 77,5%, auf den Bereich Jugend 10% und auf den Bereich Sport 1,8%.
Das Programm ist folgendermaßen aufgegliedert

  • Schule (COMENIUS)
  • Hochschule (ERASMUS)
  • Berufliche Bildung (LEONARDO DA VINCI) und
  • Erwachsenenbildung (GRUNDTVIG)

Sie sind jeweils auf die beiden großen Förderschienen "Mobilität des Bildungspersonals" und "Strategische Partnerschaften" (Insitutionelle Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen) ausgerichtet .

Von den vorgesehenen Mitteln für den Bildungsbereich (insgesamt 77,5%) entfallen folgende prozentuale Mindestanteile auf die jeweiligen Bildungssektoren:

  • ERASMUS (Hochschule):
    43% (bzw. 33,3% des Gesamtbudgets)
  • LEONARDO DA VINCI (berufliche Bildung):
    22% (bzw. 17% des Gesamtbudgets)
  • COMENIUS (Schule):
    15% (bzw. 11,6% des Gesamtbudgets)
  • GRUNDTVIG (allgemeine Erwachsenenbildung):
    5% (bzw. 3,9% des Gesamtbudgets)

Weitere Informationen:
www.erasmusplus.de

Die Förderschiene "Mobilität des Bildungspersonals" umfasst 63% des Programmbudgets. Die Definition von Bildungspersonal ist weit gefasst: darunter fällt sowohl fest angestelltes Personal als auch Ehrenamtliche oder Honorarkräfte, die vertraglich an eine Bibliothek gebunden sind.

In dieser Förderschiene sind folgende Maßnahmen möglich:

  • Weiterbildung (z.B. durch Fortbildung oder Job-Shadowing)
  • interkulturelle und Fremdsprachenkompetenzen entwickeln
  • Lehrtätigkeit (z.B. Kurzzeit-Dozentur)
  • internationale Netzwerke knüpfen
  • Internationalisierung der Bildungseinrichtung
  • neue attraktive Bildungsangebote entwickeln
  • Organisationsentwicklung

Übergeordnetes Ziel ist eine strukturierte Fortbildung von Mitarbeiter/innen in Bildungseinrichtungen durch verbesserte personelle, soziale und fachliche sowie internationale Kompetenzen; eine Erweiterung beruflicher Handlungsoptionen; ein besseres Verständnis der Bildungssysteme in Europa; eine Sensibilisierung für Diversität und besondere Bildungsbedarfe sowie eine gesteigerte Motivation und Arbeitszufriedenheit.

Die Mobilität des Bildungspersonals soll zudem zu längerfristigen Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen in verschiedenen Ländern führen. Die Einrichtungen sollen durch die Mobilität ihrer Mitarbeiter/innen noch besser in der Lage sein, innovative, bedarfsorientierte und attraktive Angebote zu entwickeln.

Auch Studierende, Berufsschüler, Auszubildende und Jugendliche können von der Mobilitätsförderung in ERASMUS+ profitieren.

Rahmenbedingungen:

  • Die einzelne Mobilität kann zwei Tage bis zwei Monate dauern.
  • Die dabei erworbenen Kompetenzen werden anerkannt.
  • Die Antragstellung erfolgt durch die entsendende Bibliothek bei der jeweiligen Nationalen Agentur (PAD-KMK, NA-BIBB, DAAD) in Bonn. Die Bewertung der Anträge erfolgt durch zwei externe Gutachter/innen.
    Bis zu drei Bibliotheken können sich zu einem Antrags-Konsortium zusammenschließen, um gemeinsam Personal ins Ausland zu entsenden, um den Antragsaufwand für die einzelne Einrichtung zu verringern.
  • Im Antrag muss dargelegt werden, inwieweit die neu erworbenen Kompetenzen des Personals in der Bibliothek eingesetzt werden sollen.
Weitere Informationen:

Diese Förderschiene beinhaltet 28% des Programmbudgets.

Kernziele strategischer Partnerschaften sind der Transfer, die Entwicklung und Umsetzung von Innovation und bewährten Verfahren durch Erfahrungsaustausch und Vernetzung auf organisatorischer, lokaler oder regionaler Ebene. Diese sollen zur Modernisierung von Bildungseinrichtungen führen.

Gefördert wird der Aufbau von kleinen und großen Partnerschaften; von Netzwerken zwischen Bildungseinrichtungen untereinander sowie zwischen Bildungseinrichtungen im Hochschulbereich und Unternehmen, so genannte „Wissensallianzen“, und IT-Plattformen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Netzwerken, Erfahrungsaustausch und Austausch von Beispielen guter Praxis
  • Kooperationen mit verschiedenen Akteuren im Bildungsbereich (Öffentlicher Sektor, Arbeitswelt, Zivilgesellschaft)
  • Innovative Praxis (Entwicklung von Methoden, Konzepten, Curricula, Kursen etc.)
  • Anerkennung von Kompetenzen unter Anwendung der EU-Rahmen und -Instrumente
  • Gesellschaftspolitisches Engagement und Unternehmergeist

Inhaltlich können für den Bereich GRUNDTVIG zum Beispiel Themen wie Inklusion von Benachteiligten, politische Bildung und aktive Bürgerschaft, Seniorenbildung und intergenerationelles Lernen, Sprachenlernen und Multilingualität, kulturelle und interkulturelle Bildung, Umweltbildung, Eltern- und Familienbildung im Zentrum stehen.

Rahmenbedingungen:

  • Mind. drei Einrichtungen aus drei verschiedenen Ländern (max. zehn Partner)
  • Projektdauer: zwei bis drei Jahre (abhängig vom Projektvolumen)
  • Förderhöhe: max. 150.000 Euro pro Jahr (insgesamt max. 450.000 Euro)
  • Antragstellung bei der zuständigen Nationalen Agentur des Projektkoordinators für die gesamte Partnerschaft
  • Die Bewertung der Anträge erfolgt durch zwei externe Gutachter/innen

Bewilligungskriterien für strategische Partnerschaften 

1. Relevanz

  • Die Projektpartnerschaft passt zu den Zielen und Prioritäten des Programms
  • Klare und prägnante Darstellung der Projektziele
  • Das Projekt ist innovativ und/oder ergänzt die Initiativen der beteiligten Einrichtungen
  • Deutlicher europäischer Mehrwert

2. Qualität

  • Klare und prägnante Darstellung aller Projektphasen
  • Kohärenz zwischen Zielen und Aktivitäten, Projektdauer und Projektbudget
  • Wie sollen Lernergebnisse anerkannt werden?
  • Auswahl und Eignung von Partnereinrichtungen; Verteilung von Rollen und Aufgaben; Akteurevielfalt (ggf. sektorübergreifend)
  • Kommunikation mit Partnern und mit Dritten (z.B. Stakeholdern)
  • Wie sollen Projektergebnisse evaluiert werden?
  • Welche potentielle Wirkung hat die strategische Partnerschaft auf Nutznießer?
  • Qualität des Verbreitungsplans, ggf. inkl. der kostenlosen Zugänglichkeit erarbeiteter Materialien
  • Wie nachhaltig ist die Zusammenarbeit, ggf. auch über das Projektende hinaus?

3. Wirkung und Nachhaltigkeit

  • Die Anwendung der Projektergebnisse soll bei allen am Projekt beteiligten Einrichtungen sichergestellt sein.
  • Die Ergebnisse sollen auf andere Einrichtungen bzw. andere rechtliche, strukturelle, geographische, sozio-kulturelle oder sprachliche Kontexte übertragbar sein.
  • Die Ergebnisse sollen eine nachhaltige Wirkung haben für die teilnehmenden Einrichtungen, für die Teilnehmenden sowie auf Systemebene.
Weitere Informationen:

Das Programm hat eine politische Ausrichtung. Die geförderten Projekte sollen:

  • als Maßnahmen zur Unterstützung der europäischen Bildungspolitik dienen.
  • sich an der EU2020-Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum orientieren bzw. dazu einen Beitrag leisten.
  • einen nachweislichen europäischen Mehrwert haben (warum ist die Durchführung des Projektes auf europäischer Ebene erforderlich?)
  • für strategische Partnerschaften im Bereich GRUNDTVIG (Erwachsenenbildung) gilt: die Projekte müssen sich inhaltlich an der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung orientieren. weitere Informationen
  • nachhaltig wirksame Projektergebnisse zum Ziel haben.
  • kohärent zu den Zielen der jeweiligen Aktion - Mobilität oder Bildungspartnerschaft - sein.
  • bedeutsam hinsichtlich der Ziele und Bedürfnisse der Einrichtung und des beteiligten. Bildungspersonals sein;
  • die sich aus der Mobilität des Bildungspersonals ergebenden. Lernergebnisse sollen auch im Arbeitsalltag für die Teilnehmenden bedeutsam sein.

Konkret sollen die Projekte zur Verbesserung von Schlüsselkompetenzen des Bildungspersonals und damit zu Stärkung der Qualität des europäischen Bildungssektors beitragen und die internationale Dimension in der europäischen Bildung fördern.

Weitere Informationen:
www.erasmusplus.de

Für die Antragstellung ist eine einmalige Registrierung in einer  für alle Bildungsbereiche einheitlichen Datenbank (URF) notwendig, die auf der Webseite der NA-BIBB veröffentlicht ist:

www.na-bibb.de

Damit sollen Projektergebnisse europaweit sichtbarer und eine Doppelfinanzierung von ähnlichen Projekten vermieden werden.

Weitere Informationen:
www.erasmusplus.de

Für die Skizzen- und Antragsberatung der zuständigen Behörde NA-BIBB:

  • Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung
    www.na-bibb.de

Weitere Informationen:
www.erasmusplus.de

Redaktion Bibportal
Tel: (030) 644 98 99 - 19
neumann@bibliotheksverband.de

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