Die Fachinformationsdienste in Deutschland
Entstehung der Fachinformationsdienste
Die Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) sind ein seit 2014 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) etabliertes Förderprogramm zur bedarfsgerechten Informationsversorgung der Wissenschaft in Deutschland. Sie lösten damit das seit 1949 bestehende System der Sondersammelgebiete ab. Dieses System wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut, um die wissenschaftliche Literaturversorgung in Deutschland sicherzustellen. Bestimmte Bibliotheken übernahmen jeweils die Verantwortung für ein Fachgebiet und sammelten möglichst umfassend nationale und internationale Literatur dazu und stellten sie überregional bereit.
Mit dem digitalen Wandel kam es zu veränderten Bedürfnissen der Wissenschaft. Ziel der FID als Antwort auf die wachsenden Anforderungen ist es, die Literatur- und Informationsversorgung noch stärker an den konkreten Bedarfen der jeweiligen Fachcommunities auszurichten und die digitalen Angebote auszubauen. Damit ergänzen sie die allgemeine Grundversorgung durch Bibliotheken um spezialisierte, forschungsnahe Angebote.
Welche FID gibt es?
Aktuell gibt es über 40 Fachinformationsdienste, die große Teile der wissenschaftlichen Disziplinen abdecken – von Geistes- und Sozialwissenschaften über Natur- und Lebenswissenschaften bis hin zu Regionaldisziplinen. Die FID werden in der Regel von wissenschaftlichen Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen betrieben und durch die DFG projektbezogen über 3 Jahre hinweg gefördert. Jeder FID hat dabei einen bestimmten fachlichen oder regionalen Fokus, der von diesem FID deutschlandweit abgedeckt wird.
Aufgaben der FID
Die zentrale Aufgabe der Fachinformationsdienste besteht darin, Forschende bedarfsgerecht mit spezialisierten Informationen zu versorgen. Dabei geht es nicht um eine flächendeckende Grundversorgung, sondern um besonders spezialisierte und forschungsrelevante Literatur und Services eines Fachgebiets. Ein wesentliches Merkmal der FID ist dabei die enge Ausrichtung an den Bedürfnissen der jeweiligen Fachcommunities, mit denen die Angebote kontinuierlich weiterentwickelt und abgestimmt werden.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
- Erwerbung spezialisierter Literatur: Auch schwer zugängliche oder teure internationale Publikationen werden beschafft.
- Lizenzierung digitaler Ressourcen: FID verhandeln Lizenzen für E-Books, E-Journals oder Datenbanken, die oft deutschlandweit für berechtigte Forschende zugänglich sind.
- Bereitstellung von Rechercheportalen: Viele FID betreiben eigene Fachportale, die Literatur, Datenbanken und weitere Ressourcen gebündelt zugänglich machen.
- Förderung von Open-Access: Sie unterstützen die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Publikationen.
- Beratung und Service: Forschende erhalten Unterstützung bei Recherchefragen, Publikationsstrategien oder dem Umgang mit Forschungsdaten.
Die Angebote richten sich in erster Linie an Wissenschaftler*innen, stehen häufig aber auch Studierenden und anderen Interessierten offen.
Das FID-Netzwerk
Obwohl jeder Fachinformationsdienst ein bestimmtes Fachgebiet betreut, arbeiten die FID nicht isoliert voneinander. Sie sind zusammen mit ihren Trägereinrichtungen und Querschnittsprojekten Teil eines gemeinsamen FID-Netzwerks. Dieses Netzwerk dient dem Austausch von Erfahrungen, der Abstimmung technischer Standards und Werkzeuge sowie der Entwicklung gemeinsamer Strategien.
Im FID-Netzwerk werden beispielsweise Fragen zur Lizenzierung, zu Open-Access-Strategien oder zur technischen Infrastruktur diskutiert und gemeinsame Vorgehensweisen vereinbart. Durch diese Zusammenarbeit können Synergien genutzt und Doppelarbeit vermieden werden. Zudem kommt die enge Zusammenarbeit auch interdisziplinär arbeitenden Forschenden zu Gute.
Was ist FIDplus?
Mit dem Förderprogramm FIDplus der DFG werden die Fachinformationsdienste weitergedacht. Es richtet sich an die FID, die erfolgreich die Förderung des grundlegenden Förderprogramms durchlaufen, sich fest in ihrer Fachcommunity verankert und als Teil der deutschen Informationslandschaft etabliert haben.
Ziel von FIDplus ist es, die Informationsversorgung langfristig zu stärken und an neue wissenschaftliche Entwicklungen anzupassen. Dabei geht die Förderung in FIDplus weiter als das bisherige Programm und ermöglicht einen längerfristigen Betrieb (5 Jahre Förderperiode) etablierter Services und fokussiert sich auf die strategische Weiterentwicklung über die bekannten Projektzyklen hinaus.
Die ersten Beantragungen durch Fachinformationsdienste auf eine Förderung im Programm FIDplus erfolgten im 1. Quartal 2026 mit einem geplanten Beginn der Förderung in 2027.
FAQ zum Programm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft – Plus“ der DFG
- fid.netzwerk
Netzwerk der Fachinformationsdienste - Aktionsplan des FID-Netzwerks 2026-2028
- Webis
Übersicht über Sammelschwerpunkte an deutschen Bibliotheken - Förderprogramm Fachinformationsdienste für die Wissenschaft
Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)