Kinderschutzkonzepte für Bibliotheken

Eine Kindergartengruppe in einer Bibliothek, die Kinder strecken die Arme in die Luft. Im Vordergrund Büchertröge mit Bilderbüchern.Bibliotheken sollen sichere Orte für Kinder und Jugendliche sein. Damit sie vor Übergriffen und Missbrauch geschützt sind, braucht es Maßnahmen zur Prävention und einen Plan. Institutionelle Schutzkonzepte helfen Einrichtungen, zu Orten zu werden, an denen Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt geschützt werden. 

Um Bibliotheken dabei zu unterstützen, ein solches Schutzkonzept für ihre Einrichtung zu erstellen, hat eine Arbeitsgruppe des Deutschen Bibliotheksverbands e.V. (dbv) gemeinsam mit einer Expertin ein verbandliches Kinderschutzkonzept sowie umfangreiche Arbeitshilfen erstellt.

Diese Materialien sowie weiterführende Informationen gibt es in diesem Spotlight.

Eine Arbeitsgruppe des dbv hat gemeinsam mit einer Expertin ein verbandliches Kinderschutzkonzept erstellt, das auf den Bibliothekskontext zugeschnitten ist. Bibliotheken können auf Grundlage dieses Konzepts eigene Schutzkonzepte entwickeln, denn Schutzkonzepte müssen von jeder Einrichtung selbst erarbeitet und auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden.

Das Schutzkonzept sowie eine begleitende Arbeitshilfe und weitere ergänzende Materialien steht auf der Webseite des dbv zum Download zur Verfügung.

Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
Auf der Seite der Bundesbeauftragten gibt es viele relevante Informationen. U.a. unter „Themen“ zu Definition, Schutz und Prävention (hier auch zu Schutzkonzepten), Hilfsangebote, Recht und Forschung.

Prävention und Kindeswohl in der kulturellen Bildung
Informationen der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) zum Thema Kinderschutzrechte im Kontext kultureller Bildung.

Förderprogramm Start2Act
Das Förderprogramm „Start2Act − Safer Spaces and Participation in the Arts– Creating and Promoting Child Safeguarding Policies“ (2024−2026) der BKJ ermöglicht Trägern und Vereinen der Kulturellen Bildung Präventionsprojekte durchzuführen, um sicherere Orte zu werden, in denen Kinder und Jugendliche umfassend vor (sexualisierter) Gewalt geschützt sind. Im Rahmen des Programms kann Förderung für sogenannte Impulsprojekte beantragt werden, es werden Online-Fortbildungen sowie Projektbeispiele und Materialien angeboten.

Vereinigtes Königreich

Im Vereinigten Königreich ist „safeguarding“ ein fest etablierter Ansatz, der sowohl gesetzlich als auch politisch verankert ist. 

Alle Bibliotheken verfügen über Schutzrichtlinien, die sich auf den Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen konzentrieren. Mitarbeitende, die mit diesen Gruppen arbeiten, müssen häufig auch ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und eine Schulung absolvieren.

Die meisten Bibliotheken sind Teil der lokalen Behörden, die über Schutzrichtlinien, Verfahren und Schulungen verfügen, die für die gesamte Organisation gelten. Darauf aufbauend erstellt die Bibliothek dann ihre eigenen spezifischen Richtlinien, Verfahren und Schulungen.

Die britische Wohltätigkeitsorganisation NSPCC stellt auf ihrer Website einige hervorragende Ressourcen zur Verfügung: Safeguarding and Child Protection

Slowenien

Zusätzlich zu den allgemeinen nationalen Gesetzen zum Kinderschutz hat der slowenische Bibliothekssektor durch das UNICEF-Netzwerk „Safe Points“ (Varne točke) einen proaktiven, praktischen Ansatz gewählt.

Seit über 15 Jahren sind slowenische Öffentliche Bibliotheken wichtige Partner in diesem Projekt. Dabei handelt es sich um ausgewiesene öffentliche Räume, die mit einem gut erkennbaren Smiley-Aufkleber gekennzeichnet sind und in denen geschulte Erwachsene Kindern in Not sofortigen Schutz, Hilfe oder einfach nur Rat bieten.

Diese Punkte dienen als sicherer Zufluchtsort für Kinder, die mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert sind, darunter Gewalt unter Gleichaltrigen, Mobbing, familiäre Probleme oder einfach nur das Bedürfnis nach einem sicheren Gespräch. Eine wesentliche Stärke des Bibliotheksnetzwerks in diesem Zusammenhang ist, dass diese „Safe Points“ nicht nur in städtischen Zentren, sondern auch in ländlichen Gebieten zur Verfügung stehen.

Um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter*innen Risiken erkennen und das korrekte Prozedere kompetent erfüllen können, organisiert die Stadtbibliothek Ljubljana in Zusammenarbeit mit der slowenischen Stiftung für UNICEF professionelle Schulungen und Weiterbildungen für Kolleg*innen im ganzen Land.

Diese Schulungen sind umfassend folgende Themen:

  • Protokolle für neue und bestehende Freiwillige: Obligatorische Schulungen für neue „Safe-Point“-Mitarbeiter*innen und Auffrischungskurse für bestehende Mitarbeiter*innen, um hohe Standards aufrechtzuerhalten.
  • Umgang mit bestimmten Arten von Notlagen: Wir arbeiten mit der Vereinigung SOS Help line (Društvo SOS telefon) zusammen, einer führenden NGO, die sich auf die Unterstützung von Opfern von Gewalt spezialisiert hat. Sie führt Workshops durch, in denen vermittelt wird, wie man richtig mit einem Kind in Not spricht, Anzeichen von Missbrauch erkennt und die notwendigen weiteren Maßnahmen ergreift.
  • Online-Sicherheit: Wir arbeiten auch mit dem nationalen Sensibilisierungszentrum Safe.si zusammen, um Mitarbeitende im Umgang mit Online-Gewalt und Cybermobbing zu schulen, die zunehmend von Jugendlichen gemeldet werden.

Dieses System fungiert als operatives „Kinderschutzkonzept” und stellt sicher, dass Bibliotheksmitarbeiter*innen nicht nur passive Beobachter*innen sind, sondern darin geschult werden, Gefahren zu erkennen und strukturiert und sicher einzugreifen.

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