Internationale Inspiration für Demokratiearbeit in Bibliotheken

Bibliotheken sind Orte gelebter Demokratie. Im Rahmen einer Online-Seminarreihe des Arbeitsbereichs Internationale Kooperation von dbv und knb stellen seit Dezember 2025 Bibliotheken, -verbände und andere bibliotheksnahe Organisationen aus dem Ausland ihre Herangehensweisen an Demokratiearbeit dar.

Demokratiearbeit der Aarhus-Bibliotheken (Dänemark)

Zwei Personen sitzen an einem Tisch in einer Bibliothek. Beide lachen und reichen sich die Hände. Auf dem Tisch stehen Kaffeekannen und Kekse, im Hintergrund weitere Personen.

Aarhus basiert seine Demokratiearbeit auf den Ideen des dänischen Denkers Hal Koch (What is Democracy?, 1945), der Demokratie als „eine Lebensweise, die es anzustreben gilt“ definiert und nicht nur als ein System, das umgesetzt werden muss. In seinen Überlegungen betont er die Bedeutung des Dialogs und des gegenseitigen Verständnisses in einer demokratischen Gesellschaft.

The library is a space for dialogue, debate, and disagreement. Create room to meet across differences and disagreements. (Die Bibliothek ist ein Ort für Dialog, Debatte und Uneinigkeit. Schaffen wir einen Raum über Unterschiede und Uneinigkeit hinweg!)

Sara Bindeballe, Bibliotheksvermittlerin, und Asmund Hejlskov Bertelsen, Projektmanager und Demokratie-Entwickler der Aarhus Bibliotheken (DOKK1) in Dänemark berichteten im Online-Seminar von ihren Anfängen in der Demokratiearbeit, teilten ihre theoretischen Grundlagen sowie inspirierende Praxisbeispiele und reflektierten offen über Erfolge und Herausforderungen.

Präsentation
Video
Kontakt: Asmund Bertelsen oder Sara Bindeballe von den Aarhus Bibliotheken

Methodenhandbuch „Demokratie stärken – mit der Bibliothek als Plattform“ der Stadtbibliothek Landskrona (Schweden)

Ein Lastenrad steht in einem Park. Der Korb des Rades ist aufgeklappt, darauf mehrere Plakate, daneben ein Tisch mit kleiner Nische ähnlich einer Wahlkabine.Die Stadtbibliothek Landskrona hat mit Unterstützung der Region Skåne das Methodenhandbuch „Demokratie stärken – mit der Bibliothek als Plattform“ entwickelt. Die Broschüre ist das Ergebnis eines Projekts, dessen Ziel es war, neue Wege zu finden, um Dialog und Engagement zu fördern – insbesondere unter jungen Menschen und Personen, deren Muttersprache nicht Schwedisch ist. Das Handbuch steht in englischer Übersetzung zum Download zur verfügung.

Jacob Lindblad, einer der 3 Projektleiter*innen, stellte das Projekt als Ganzes sowie die in der Broschüre enthaltenen einzelnen Aktivitäten im Online-Seminar vor. Dabei ging er u.a. auf den nötigen Aufwand, die Umsetzung sowie Herausforderungen ein.

Handbuch (englische Version)
Präsentation
Aufzeichnung
Kontakt: Jacob Lindblad von der Stadtbibliothek Landskrona

„Demokratischer Kodex“ von Probiblio (Niederlande)

Drei Personen sitzen in einer Bibliothek an einem Tisch und diskutieren miteinander.Die Organisation Probiblio aus den Niederlanden hat den sogenannten „Demokratischen Kodex“ entwickelt. Dieses Leitbild soll Bibliotheken dabei helfen, ihre Rolle als Orte der Demokratie auszufüllen und positiv auszugestalten. Zur noch besseren, praktischen Nutzbarkeit des Leitbildes wurden auch begleitende Guidlines entwickelt. Alle Dokumente sind zur Nutzung freigegeben und dürfen gern an Ihre Bedarfe angepasst werden, wenn Sie auch für Ihre Institution ein demokratisches Leitbild erarbeiten wollen.

Präsentation
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De Democratische Code (Niederländisch)
Der Demokratische Code (Dt. Übersetzung, mit KI erstellt)

Begleitende Guidelines (derzeit nur auf Niederländisch verfügbar)

Bald verfügbar: Eine deutsche Übersetzung der sog. Guidelines wird aktuell durch die Bundeszentrale für politische Bildung erstellt und sollten im Herbst/Winter 2026/2027 zur Verfügung stehen.

Kontakt: Mirjam Zweers von Probiblio

Timeout-Methode aus Finnland

Mehrere Personen sitzen in Sesseln Kreis und sprechen miteinander. Der Raum ist mit Teppich und einer Stehlampe gemütlich eingerichtet.TIMEOUT ist eine Stiftung in Finnland, die gegründet wurde, um den Dialog zu fördern, die Verhärtungen in der Gesellschaft zu verringern und die Beteiligung der Menschen an der Gesellschaft zu erhöhen. Dafür wurde die Timeout-Methode entwickelt, um konstruktive Diskussionen zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund anzuregen und zu führen. Die Methode wird in Finnland in Bibliotheken häufig angewendet und viele Bibliotheksmitarbeitende wurden in ihrer Anwendung geschult, darunter auch das Demokratie-Team in Aarhus, Dänemark.

Präsentation
Aufzeichnung
Referent: Efe Evwaraye von der Stiftung TIMEOUT
Methode lernen: Der dbv plant eine Schulung für Bibliothekar*innen im Herbst 2026. Wenn Sie daran Interesse haben, melden Sie sich bitte per E-Mail.

Rigaer Manifest „Das Recht auf Lesen“ (Lettland)

Ein Mann steht auf einer Bühne und schreibt etwas an einem Tisch. Um ihn herum mehrere festlich gekleidete Menschen.Maija Treile, Leiterin des Forschungs- und Interpretationszentrums der Nationalbibliothek Lettlands stellte im Online-Seminar die aktuellen Initiativen Lettlands vor, die Lesen nicht nur als individuelle Fähigkeit, sondern als gemeinsame Grundlage für die Teilhabe am demokratischen Leben betrachten. Im Mittelpunkt stand das Rigaer Manifest „Das Recht auf Lesen“, das das Lesen als unverzichtbar für eine gerechte und widerstandsfähige Gesellschaft positioniert. Die Session bot einen konkreten Einblick, wie das Manifest durch die Einbeziehung vielfältiger Stimmen – von Rechtsexpert*innen und Pädagog*innen bis hin zu Bibliothekar*innen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und Fürsprecher*innen für Menschen mit Leseschwierigkeiten – entwickelt wurde.

Präsentation
Aufzeichnung

Das Riga-Lese-Manifest (deutsche Übersetzung)

Kontakt: Maija Treile, Leiterin des Forschungs- und Interpretationszentrums der Nationalbibliothek Lettlands

Konzept „Democracy within all Policies“ (Rumänien)

Grafik mit mehreren personen, die unterschiedliche Tätigkeiten ausüben, einige arbeiten an Schreibtischen, andere stehen vor Tafeln und diskutieren oder sitzen in einem Stuhlkreis.Das Konzept „Democracy within all Policies“ entstand in mehrjähriger Arbeit im Rahmen von EduCaB aus Initiativen zur Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken in verschiedenen Ländern sowie durch die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen der Charles F. Kettering Foundation, des Yale Global Justice Program, von „Academics Stand Against Poverty“ sowie einem breiteren Netzwerk von Praktiker*innen und Forscher*innen, die sich für demokratische Innovation interessieren. Die Methodik zielt darauf ab, die Aktivitäten in Bibliotheken dahingehend zu analysieren, inwiefern sie mit alltäglicher, gelebter Demokratie zusammenhängen. Das kann Hilfestellung beim Erstellen einer Bewerbung ebenso sein wie ein Ausdruck für einen Behördengang. Wenn man diese Art von Teilhabe oder „kleinen Akten der Demokratie“ tagtäglich erlebt, sinkt die Anfälligkeit für Extremismus, so die These hinter der Methode. Eine deutsche Übersetzung der Methodik ist derzeit in Erarbeitung. 

Mihai Lupu von EduCaB erläuterte im Online-Seminar den konzeptionellen Rahmen als auch praktische Beispiele, wie Öffentliche Bibliotheken zu Orten werden können, an denen demokratische Werte und Praktiken im Alltag gelebt werden.

Schlüsselgedanke: Demokratie bildet sich nicht nur alle paar Jahre in Wahlen ab, sondern in alltäglicher Teilhabe.

Schaubild
Aufzeichnung

Erwähnte Studien:

Kontakt: Mihaita Lupu (EduCaB)

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